Ein Solarradweg für Köln?

In einer kleinen Gemeinde nahe Amsterdam wird gerade der weltweit erste Solarradweg realisiert. Die faszinierende Idee: Verkehrsflächen die eh versiegelt sind mit Solarzellen zur Stromerzeugung zu kombinieren. Straßen und Radwege gibt es ja zu Hauf und schwupdiwup hat man genug sauberen Strom für alle.

Und so gab es im Verkehrsauschuß am 9.3.15 eine Anfrage von SPD und Grünen, ob man so etwas nicht auch in Köln bauen könnte.

Wenn man genauer hinschaut kommt man allerdings schnell zu der Einschätzung, dass es z.Z. für Köln vielleicht doch nicht eine so faszinierende sondern eher Schnapsidee ist.

Ein paar Fakten:

  • Effizienz: Die Solarzellen im Radweg produzieren ca. 30% weniger Strom als vergleichbare Zellen auf Hausdächern. Das legt einmal an dem dicken Sicherheitsglas über den Zellen, vor allem aber am ungünstigen Winkel zur Sonne. Auf einem schräg zur Sonne ausgerichteten Radweg läßt es sich halt nicht so gut fahren;)  Zur Effizienzminderung dazu kommt dann noch der deutlich höhere Energieaufwand der aufwendigen Herstellung der Betonmodule und die ebenso aufwendige späteren Entsorgung der Bauteile.
  • Kosten: 100 Meter Solarradweg kosten zur Zeit 3 Mio. €! Dort soll Strom für dgfev online casino maximal 3 Haushalte erzeugt werden. Angeblich soll sich die Anlage nach 20 Jahren amortisiert haben. Eine kühne Rechnung! Eine schnelle Eingabe am Taschenrechner ( 3 Mio € : 3 Haushalte : 20 Jahre)kommt zum Ergebniss, dass jeder Haushalt pro Jahr 50.000,-€ für seinen Strom zahlen müßte. Zur Zeit liegen die Ausgaben pro Haushalt (3 Personen) und Jahr bei ca. 1100,-€, d.h. bei heutigen Strompreisen würde es etwa 900 Jahre dauern, bis die Kosten wieder drin sind. Zusätzliches Geld benötigt wird übrigens noch für die völlig unklaren Wartungskosten. Über Lebensdauer und spätere Rückbaukosten sprechen wir lieber noch gar nicht.  Aber wahrscheinlich rechnen die Wirtschaftsweisen irgendwie anders…
  • Sicherheit: Über Fahrverhalten, Rutschgefahr bei Nässe, Eis oder Schnee wird jetzt erst im Rahmen des Pilotprojekts ausführlich geforscht.
SolaRoad

Bild SolaRoad

 

Und was heißt das für Köln?

Es muss dringend Geld in die Radinfrastruktur inverstiert werden, da gehen 3 Mio € für 100 Meter Solarradweg gar nicht! Wieviel Meter neue Schutzstreifen, wieviele sonstige Vebesserungen in der Radinfrastruktur wären mit diesem Geld möglich.

Solarstrom ist gut und wichtig, aber warum nimmt man dafür nicht die zahllosen ungenutzen Dächer auf öffentlichen Gebäuden. Selbst bei anstehenden Sanierungen z.B. von Schulen wird darauf in der Regel aus angeblichen Kostengründen verzichten. Hier könnte Rot-Grün mit deutlich weniger Geld viel mehr erreichen

Und der Antrag? Von der Verwaltung kam eine kurze und inhaltlich richtige Antwort. Ein deutliches Signal, das Projekt erstmal nicht weiter zuverfolgen und lieber die Langzeitergebnisse aus den Nieerlanden abzuwarten.

Mit ein bisschen Recherche im Vorfeld hätte man sich diese Anfrage wirklich sparen können.

Gespart hätte man auch

  • unnötige Arbeit für die Verwaltung
  • Energie, Resourcen und Kosten (Papierausdrucke von Anfrage und Antwort)
  • Zeit der Ausschußmitglieder ( zum Thema “Handlungsfähigkeit der Parlamente”)

Aber die Presse griff die Anfrage natürlich wohlwollend auf und so kommt man wenigstens als (angeblicher) Klimaschützer in die Zeitung.

So einen Radweg wünscht man sich für Köln - gerne auch ohne Solarzellen!

So einen Radweg wünscht man sich für Köln – gerne auch ohne Solarzellen!          Bild SolaRoad